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News vom 15.01.2008
© Sportplatz.at
Basisarbeit im Frauenfußball
Barbara Maly erzählte uns von ihrem Verein, dem 1. FC Paulaner Wieden.
Lange hatte der Frauenfußball etwas Exotisches an sich. Kaum in
der Öffentlichkeit präsent und stets mit dem Klischee von wild
gewordenen Mannweibern verbunden. Mittlerweile hat sich die Situation
verbessert. Mit Mia Hamm hatte der Frauenfußball seinen ersten großen
Star, der legendäre Torjubel von Brandi Chastain schaffte es sogar
auf Titelseiten nicht-sportbezogener Zeitungen. 2007 konnten auch Sportinteressierte
bei uns live mitverfolgen, wie die deutschen Damen den Weltmeistertitel
erfolgreich verteidigten.
Vom Zuschauen zum Kicken
Österreich hinkt zwar beträchtlich hinter den großen Frauenfußballnationen
hinterher, aber auch hierzulande tut sich etwas. Beim Meister SV Neulengbach
spielt immerhin eine brasilianische Nationalspielerin. Insofern können
die männlichen Kollegen nur neidisch sein.
Die Spitze der Ligapyramide kann den Sport zwar populärer machen
aber nicht alleine aufbauen. Basisarbeit wird in ganz Österreich
betrieben, auch ohne Aussicht auf internationale Bewerbe der UEFA. So
zum Beispiel in der Wiener Liga, der vierten und niedrigsten Leistungsstufe
des ÖFB-Frauenfußballs, beim 1.FC Paulaner Wieden. Den Verein
an sich gibt es seit 1997, allerdings spielten damals nur Herren im Verein,
welcher in der DSG aktiv ist. Seit 2000 gibt es auch eine Damenmannschaften.
Am Anfang stand das Bedürfnis, nicht nur dabei zuzusehen, sondern
selber Fußball zu spielen. Schnell waren ausreichend Kickerinnen
oder solche, die es werden wollten, gefunden und es wurde eifrig gegen
den Ball getreten. Mit dabei war damals schon Barbara Maly. Nach einer
Weile nahm die Mannschaft an der Kleinfeldmeisterschaft teil, doch bald
war das Bedürfnis nach Fußball auf dem Großfeld und einer
weiteren Professionalisierung groß. Es folgte der Wechsel in die
Wiener Liga, wo der 1.FC Paulaner Wieden den nur wenig schmeichelhaften
Ruf als Punktelieferant genoss. Frustriert wurden erst einmal die Segel
gestrichen und die Liga verlassen. "Glücklich wurden wir durch
die Rückkehr aber nicht", so Barbara Maly.
Vom Punktelieferanten zum soliden Mittelständler
Nach nur einem Jahr gab es das Comeback, nur dieses Mal waren die Wiednerinnen
gekommen um zu bleiben. Mittlerweile ist der anfängliche Ruf Geschichte
und die Mannschaft im Mittelfeld der Wiener Liga etabliert. Die Tabelle
verdeutlicht jedoch nur teilweise die engagierte Aufbauarbeit des Vereins.
Bereits seit längerem existiert eine Nachwuchsabteilung (ab dem 8.
Lebensjahr), aus der bald Kickerinnen in die Erste Mannschaft aufrücken
werden. Vor allem rekrutiert sich die Mannschaft aus so genannten Quereinsteigerinnen,
nämlich jenen Fußballbegeisterten, die erst spät aktiv
wurden. Kriterium für die Aufnahme ist lediglich Begeisterung und
das Harmonieren mit dem Rest der Mannschaft, der Rest kommt mit der Zeit.
Dieser Weg kann aber auch lang sein. Während die klischeehafte Angst
vor dem Ball schnell abgelegt ist, dauert es doch bis nach dem Ball gegrätscht
und energisch in die Zweikämpfe gegangen wird. Wer aber verbissenen
Leistungsdruck sucht, wird nicht fündig.
11 Freundinnen sollt ihr sein
Überhaupt halten die Damen des 1.FC Paulaner Wieden Werte hoch, die
auch im Amateursport nur mehr selten zu finden sind: Im Vordergrund steht
das gemeinsame Erlebnis beim Sport, kurz der Spaß am Spiel. Solos
begnadeter Kickerinnen durch die Reihen des Gegners, während die
Mitspielerinnen gelangweilt daneben stehen, werden die Zuschauer eher
nicht sehen. Forciert wird hingegen das Kollektiv. Individuelle Leistungssteigerungen
sind bei dieser Philosophie dennoch keine Ausnahme, im Gegenteil, vor
allem die Gründergeneration hat eine beachtliche Entwicklung hinter
sich. Beheimatet ist der Verein grundsätzlich im 4. Wiener Gemeindebezirk,
wo sich auch die namensgebende Pfarre und die Trainingsstätte fast
aller Nachwuchsmannschaften befindet. Mittlerweile finden sich aber auch
Spielerinnen aus dem 2. Bezirk im Verein, da auch am STAW-Platz trainiert
wird. Die Paulaner sind damit der einzige Frauenfußballverein der
quasi innerstädtisch beheimatet ist und nicht am Stadtrand bzw. den
Außenbezirken. Darauf sind sie sehr stolz. So wie ihre Fans, vom
Fanklub „F Che PW“, stolz auf sie sind. Und die wild gewordenen
Mannweiber? Auch sie gäbe es im Frauenfußball, aber im Grunde
stehen ganz normale fußballbegeisterte Kickerinnen am Platz.
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